
Meine Erfahrungen der Eignungsfestellung in ZNwG Nord.
Glaubt mir, es kann ewig dauern, bis ihr erste Informationen vom Zentrum für Nachwuchsgewinnung NORD in Hannover bekommt. Das erste Schreiben (nach ca. zwei Monaten) war lediglich eines, in dem Stand, dass meine Bewerbung eingegangen sei und es nochmals ca. zwei Monate dauern kann, bis ich einen Termin bekomme, aber so ist das dort halt... Typisch Bundeswehr ;) Irgendwann bekam ich dann einen Anruf, wo mir ein möglicher Termin genannt wurde. Bei diesem Telefonat wurde ich dann gefragt, ob ich diesen Termin wahrnehmen kann, ich sagte natürlich zu. Einige Tage später kamen dann die schriftlichen Unterlagen, in denen alles genau erklärt war.
Ich hatte einen Monat Zeit bis zum Test. Diesen Monat habe ich dann genutzt, um mir etliche Berichte, wie diesen durchzuwälzen und Erfahrungsberichte von Freunden, die auch die Laufbahn bei der Bundeswehr gewählt haben, zu bekommen. Und das war sehr hilfreich, denn alle sagen im Prinzip das selbe, aber dazu komme ich dann im weiteren. Und bezüglich auf meine angelegte Ausbildung, die ich beim Bund anfangen wollte, habe ich mir von meiner Mutter noch einige Tests für Kaufleute geholt, die mir im Nachhinein echt weitergeholfen haben.
So, soviel zur Vorgeschichte.
Tag 1
Nun hieß es für mich, mich am 6. Oktober 2008 in Hannover bis 10:45 einzufinden. Ich bin bereits einen Tag vorher in Hannover angereist, da ich bei Freunden mitfahren konnte. So war ich dann am Montag schon um 9:00 im Zentrum. Man meldet sich dann an und bekommt seinen Laufzettel, Bettwäsche und ein Spindschloss. So hatte ich genug Zeit, meine Bett zu beziehen, meine Sachen zu sortieren und die ersten Schriftstücke auszufüllen.
Um 11 Uhr war dann die Begrüßung durch einen Offizier. Er gab uns kurz eine zeitliche Orientierung der nächsten beiden Tage und den besten und wichtigsten Rat für die zwei Tage mit auf den Weg, den ich persönlich jedem Berwerber ans Herz legen kann. Er sagte uns, dass wir alle keine Konkurrenten seien, sondern alle Mitbewerber, weil prinzipiell für jeden ein Platz bei der Bundeswehr sei und diesen Rat möchte ich jedem ganz ernsthaft ans Herz legen, weil es nichts bringt diese zwei Tage durch Konkurrenzdenken zu prägen. Das ist nicht im Sinne der Kameradschaft und im Grunde ist man nur gemeinsam stark. Auf diese kurze Einweisung folgte dann der erste Test. Jeder Bewerber bekam einen kleinen persönlichen Fragebogen. Dieser enthielt eine Seite mit Fragen, die man mit JA oder NEIN beantworten sollte, alles easy, und sechs Fragen, die ein wenig genauer beantworten werden sollten, was aber nicht wirklich schwer war. Folgende Fragen wurden mir gestellt:
-> Schulzeit - was gelernt und was prägte einen persönlich
-> Berufsausbildung bzw Praktika - was war neben fachlichem Wissen wichtig
-> Elternhaus - Erziehung
-> Hobbies - welche übte man aus bzw übt sie aus, welche Bedeutung bzw Einfluss haben diese Hobbies
-> Pläne, falls die Bewerbung beim Bund nicht klappen sollte
-> Die eine hab ich leider vergessen ;)
Andere Sachen die stattdessen gefragt werden könnten:
-> Was sagen Eltern, Freunde, Bekannte zum Entschluss, zum Bund zu gehen
-> Aufgabenfeld eines Feldwebel bzw Unteroffizier
-> Was denken die Freunde von einem
-> Persönliche Stärken und Schwächen
-> Warum Bundeswehr?
-> Persönlichkeitsprofil
Ich kann nur den Tipp weitergeben, sich im Vorfeld ausgiebig mit diesen Fragen auseinanderzusetzen, gespickt mit einer Portion spontanen Schreibens. Das, was ihr nämlich bereits hier schreibt, könnte auch Thema des persönlichen Gesprächs am 2. Tag sein. Zeit für diesen Part 30 Minuten. Schafft man aber ganz locker.
Danach ging es direkt zum Mittag. Essen war im Allgemeinen echt gut, ich konnte mich nicht beklagen, aber ich kannte ja den Gaumenschmauß beim Bund bereits...
Direkt im Anschluss ans Mittagessen war dann der Computertest (CAT), welcher ähnlich dem bei der Musterung ist. Je nachdem, welche Laufbahn ihr einschlagt, ob Truppendienst oder Fachdienst kommen auch Fragen und Aufgaben, die sich auf die geplante Ausbildung beziehen. Da diese bei mir eine als Kaufmann sein sollte, kam sehr viel Mathe dran, was mir aber nicht wirklich schwer fiel, da ich noch Reste von meinem Mathe Leistungskurswissen abrufen konnte und mir im Vorfeld Einstellungstests für Kaufleute besorgt hatte, wie bereits erwähnt. Desweiteren wurde das Englischwissen getestet, wobei man einige recht einfache Vokabeln kennen musste und überwiegend grammatikalische Sachen wissen musste. War für mich auch kein Problem, da ich auch Englisch Leistungskurs im Abi hatte... Der Mathe-Teil hatte es aber teilweise schon in sich, beschäftigt euch vorher mit Zahlenfolgen, Bruchrechnung, Prozenrechnung und so weiter. Für die, die einen Beruf lernen wollen, wie z.B. Mechatroniker oder so, kam noch Physik dazu, dazu kann ich aber leider keine Tipps geben. Am wichtigsten auch für diesen Test - macht euch keine Platte, wenn ihr mal was nich wisst, dann versteift euch nich auf die Aufgabe, sondern ratet einfach oder überspringt die Frage. Es geht eh nicht darum alles zu schaffen, das geht meistens gar nicht. Konzentriert euch bei den Fragen und lasst euch nicht von anderen ablenken, die vielleicht schon früher den Raum verlassen. Ihr macht den Test für euch, also auch hier gilt easy going!!! Im Großen und Ganzen ist der Test locker schaffbar. Letzter Teil des CAT waren erneut Fragen zur Persönlichkeit, in der Form, dass Aussagen gestellt wurden und diese mit "stimmt zu" oder "stimmt nicht zu" beantwortet werden mussten. Lest euch die Aussagen genau durch, da viele in anderer Formulierung öfter kommen, ist ja aber kein Problem.
Im Anschluss an den CAT ging es zur Voruntersuchung beim Arzt. Dies war lediglich Seh- und Hörtest und das Drogenscreening, also kurz in nen Becher pieseln und das war's dann für den ersten Tag. Tipp für Brillenträger: Besorgt euch vorher nen aktuellen Bescheid vom Augenarzt oder vom Optiker, das erleichtert nicht nur euch einiges, sondern auch den netten Damen im Arztbereich.
Das war dann auch schon der erste Tag, der um 14:45 beendet war. Ich muss positiv erwähnen, dass die Leute im Zentrum sich verbessert haben und euch lange Wartezeiten ersparen, darauf war ich nämlich eigentlich eingestellt, aber ich wurde sehr positiv überrascht, was dieses Thema angeht.
Jetzt der wichtigste Tipp, nehmt euch Karten oder ein Radio oder evtl nen kleinen Pokerkoffer mit, damit die Zeit bis zur Nachtruhe schneller vorrübergeht. Und hier wieder das Wichtigste - unterstützt euch bei der Vorbereitung für den zweiten Tag, sei es Daten über die Bundeswehr auszutauschen oder euch gegenseitig Tipps für das Gespräch zu geben, das hilft euch allen.
Um 22:30 ist dann Nachtruhe und alle lagen im Bett und haben geschlafen...
Tag 2
6:00 Uhr Aufstehen, 6:15 Uhr Frühstück. Um 7:00 Uhr ging es dann weiter. Einige mussten nochmal in den Computerraum und noch den Test weitermachen. Dies traf bei mir nicht zu und so ging es für mich zum Arzt zur Hauptuntersuchung. Dort gab es für mich die längste Wartezeit, aber 45 Minuten kann man gut über die Runden bringen. Es liegen genug Magzine aus, die man sich durchlesen kann, was auch gut ist, weil es natürlich größtenteils Magazine über die Bundeswehr sind und dort einige interessante Sachen drinstehen, also macht das ruhig. Schaden kann es nicht!
Beim Arzt wurde ich dann nochmal komplett gemustert, weil ja meine Musterung bereits einige Jahre her war. Der Arzt war ganz locker drauf und die knappe Stunde beim Arzt verging recht schnell. Für die, die bereits vor kurzem gemustert wurden, war dieser Teil natürlich schnell erledigt. Für mich hieß es dann erneut T2, weil ich 1 cm zu groß und Kontaktlinsenträger bin, also meine Augen nicht mehr die besten sind. Das stand aber meiner geplanten Verwendungsreihe nicht im Wege, weil ich lediglich nichts was mit Panzerfahren oder Fliegerdienst am Hut haben durfte.
Um 9:30 hieß es dann Sporttest (PFT = Physical Fitness Test), auf den sich die einigermaßen unsportlichen Bewerber schon vorbereiten sollten, sofern dies möglich ist.
Dieser Test beinhaltet folgende Übungen:
-> Pendellauf: eine Strecke von 9m ist 4 mal zu absolvieren, Zeit für 6 Punkte sind 8,5s
-> Sit-Ups: 40s so viel wie geht, Anzahl für 6 Punkte sind 40
-> Standweitsprung: aus dem Stand mit beiden Beinen so weit wie es geht, Weite für 6 Punkte 2,55m (die Hacken werden gemessen)
-> Bundeswehr-Liegestütze: 27 Stück in 40s für 6 Punkte (kurze Erläuterung zu den BW-Liegestützen: ihr startet aus der Bauchlage mit beiden Händen auf dem Rücken verschrenkt, drückt euch hoch und berührt dann mit der rechten bzw. linken Hand den Unterarm des andern Arms, geht wieder in die Bauchlage und die Hände berühren sich wieder auf dem Rücken und dann wieder hochdrücken und Hand an den Unteram), für ungeübte recht anspruchsvoll und kräfteraubend
-> Fahrrad-Ergometer: leistungssteigerndes Radfahren am Ergometer (Dauer ca. 15 Minuten, auch für Ungeübte voll easy)
Bei diesem Test sind mindestens 6 Punkte zu erreichen, um zu bestehen und dabei muss in jeder Disziplin mindestens ein Punkt geholt werden. Beim Radfahren gibt es nur bestanden oder nicht bestanden.
Mein PFT ergab 22 Punkte, womit ich auch bester an diesem Tag war. Nach dem PFT hieß es dann genüsslich duschen und dann Mittag.
Um 12:30 Uhr hieß es dann ein letztes Mal "Arschbacken zusammenkneifen", das alles entscheidende persönliche Gespräch mit dem Psychologen und einem Offizier stand an. Nach 20 Minuten warten wurde ich dann zum Glück gleich mit als Erster aufgerufen. Mir ist regelrecht das Herz in die Hose gerutscht und die Nervosität wuchs schlagartig von Null auf Hundert. Auch wenn es einfach klingt, aber versucht so locker und natürlich, wie möglich rüberzukommen und ganz wichtig versucht so gut es geht gegen eure Nervosität anzukämpfen. Das Gespräch an sich hat den Charakter eines normalen Vorstellungsgesprächs. Für mich war es erst das zweite Mal, dass ich diese Hürde vor mir hatte. Es fängt normal an, mit einfachen Fragen zu eurer Person und eurem Lebenslauf, unter Umständen werden Unklarheiten des Fragebogens vom ersten Tag angesprochen. Die beiden Prüfer versuchen aber auch, dieses Gespräch nicht in eine totale Ernsthaftigkeit zu ziehen. Ich habe mich an sich zu keinem Zeitpunkt des Geprächs unwohl gefühlt und das war auch ganz wichtig. Zu 95% führt der Offizier mit euch das Gespräch, so war zumindest bei mir der Fall. Nach den ersten grundlegenden Fragen wurde es dann ernster in der Hinsicht, dass nun Wissensfragen gestellt wurden. Hier eine kurze Übersicht über die Fragen in meinem Gespräch:
-> Warum nach der bereits gedienten Zeit beim Bund wieder Bundeswehr (betraf natürlich nur mich)
-> Warum Studium abgebrochen
-> Politik: Wer ist dafür verantwortlich, dass die Bundeswehr in Auslandseinsätze geht (AW: der Bundestag); Wer wählt den Bundestag (AW: das Volk durch Wahlen); Rechtsform in Deutschland
-> Bei welchen aktuellen Auslandseinsätze ist die Bundeswehr aktiv, hierzu musste ich zwei Einsätze genauer erläutern (was ist Aufgabe bei den Einsätzen)
-> Warum ist die Bundeswehr in Afghanistan (NATO-Bündnis)
-> Was sind die Aufgaben eines Feldwebels allgemein bzw. was sind die Aufgaben des Feldwebels auf dessen Stelle man sich bewirbt
-> Warum will man zur Bundeswehr
-> Aufgaben der Bundeswehr
-> Pläne für die Zeit nach dem Bund
-> Was sagen Freunde und Famile zum Entschluss, zum Bund zu gehen
-> Mobilität
-> Bereitschaft zu Auslandseinsätzen
Weitere mögliche Themen beim Gespräch:
-> Wieviele Soldaten sind im jeweiligen Land im Auslandeinsatz
-> Wieviele Soldaten/Standorte hat die Bundeswehr
-> Was ist die NATO/welche Bündnisstaaten gehören ihr an
-> Wer ist Bundeskanzler(in)/Außenminister/Verteidigungsminister/Ministerpräsident des eigenen Bundeslandes
-> Drogen
-> Verhältnis zu Ausländern bzw. Rechtsradikalismus
Im Großen und Ganzen labert nicht um den heißen Brei herum, wenn ihr mal was nicht wisst, dann bringt es euch nicht weiter zu schwafeln. Dann sagt, dass ihr die Frage nicht beantworten könnt und macht euch keinen Kopf deswegen, man kann nicht alles wissen. Wichtig natürlich wie in jedem Vorstellungsgespräch - sucht den Augenkontakt und sitzt aufrecht und selbstsicher. Und ganz wichtig - macht deutlich, dass ihr der Richtige für euren Posten seid und dass ihr es wirklich wollt. Alles andere bringt nichts und der Psychologe ist ja auch nicht doof, der merkt sofort, wenn ihr Mist erzählt. Ein weiterer Tipp, den ich euch ans Herz legen kann - informiert euch im Vorfeld, was so in der Welt los ist. Lest Zeitungen und guckt Nachrichten, allerdings prahlt nicht mit Wissen, was ihr unter Umständen nicht habt. Verstrickt euch nicht in widersprüchliche Aussagen!
Und der allerwichtigste Rat zum Schluss:
SEID EHRLICH!!! Denn: Ehrlichkeit siegt mit einer gesunden Portion Selbstsicherheit und offenem, natürlichem Auftreten, das kann man gar nicht oft genug erwähnen...
Nach meinem Gespräch wurde ich nochmal aus dem Raum gebeten und sollte auf die "Urteilsverkündung" warten. Die Zeit verging gar nicht, ich bin im Flur auf und ab gerannt, weil ich nicht ruhig sitzen konnte... Nach ner gefühlten Stunde wurde ich dann erneut in den Raum gerufen und mir wurde meine Tauglichkeit zum Feldwebel im Fachdienst verkündet, mit der Ausbildung die ich auch machen wollte. Darauf ging es dann zum Einplaner, der mich dann fragte, ob ich einen Wunsch habe, wo ich gerne hinwollen würde. Da ich mir im Vorfeld keine Gedanken darüber gemacht habe, war es mir relativ egal. Er suchte dann kurz nach einer Stelle in der "näheren Umgebung" und fand dann eine für mich in Husum, was von mir zu Hause ca. 300 km entfernt liegt. Also alles okay und aktzeptabel.
Dann hieß es noch etliche Dokumente zu unterschreiben und dann war noch ein kurzes Gespräch mit ner netten Dame vom Berufsförderungsdienst (kurz: BFD). Anschließend konnte ich nach Hause mit einem wunderbaren Hochgefühl. Schluss der ganzen Veranstalltung war dann 15 Uhr für mich. Einige anderen mussten noch länger dort bleiben. Fix Bettwäsche, Schloss und Laufzettel abgeben und dann ab nach Hause. Dann gab's erstmal ne kleine "Erfolgs-Zigarette", obwohl ich ja sonst nicht rauche ;)
An alle, die dieses hier lesen und das wirklich wollen:
ICH DRÜCK EUCH DIE DAUMEN!!! Im Nachhinein war es nicht so schwer, wie ich es mir vorgestellt habe...
Also GOOD LUCK!!!




