
In diesem Bericht möchte ich kurz und knapp auf die wesentlichen Inhalte des Reserveoffizerlehrgangs Teil 1 a.d.W. der "neuen Art" eingehen, welchen ich im November 2008 an der Infanterieschule in Hammelburg besucht habe.
Tag 1
Nach dem heute alle bis 12:00 Uhr eingetrudelt sind und ihre (Einzel-)Stuben bezogen haben, verbrachten wir den Nachmittag mit Hörtest, Sehtest und Zahnarzt. Die BA 90/5 gibts erst am Donnerstag, ebenso die Einkleidung. Zum Glück haben die meisten zumindest einen Feldanzug mit. Den Abend haben wir dann genutzt, um uns bei einem Bier näher kennenzulernen. Der Hörsaalleiter war ein Oberstleutnant d.R. und wird von einem SaZ 2 im Dienstgrad Fähnrich unterstützt, der ROA i.W. ist. Außerdem soll noch ein aktiver Hauptfeldwebel dazustoßen.
Tag 2
Heute haben wir jede Menge Unterricht in Taktik und Recht gehabt, sowohl der Rechtslehrer als auch der Taktiklehrer haben sehr interessant über ihre Themen gesprochen, so dass weder Langeweile noch Müdigkeit aufkam. Nach dem Abendessen haben wir dann endlich unsere Silberlitzen verliehen bekommen. Danach war noch zwar Stunden Unterricht zu den Grundsätzen einer Ausbildung und Erstellung Handzettel.
Tag 3
Heute hatten wir wieder Unterricht in Recht, Taktik und Orientierung. Ausserdem war der Rechnungsführer da und wir haben alles dahingende geklärt.
Tag 4
Am heutigen Donnerstag haben wir zuerst die restliche Ausrüstung empfangen. Anschließend haben wir beim Arzt die Einstellungsuntersuchung (90/5) fertiggestellt. Den Rest des Nachmittages und den Abend haben wir dann genutzt, um unsere Handzettel zu komplettieren und für die Rechtsklausur am nächsten Tag zu lernen.
Tag 5
Den Freitag haben wir mit der Klausur in Wehrrecht begonnen. Danach hatten wir Unterricht zur Schiesslehre, obwohl eigentlich "Aufsicht beim Schützen" behandelt werden sollte. Nach dem Mittagessen genossen wir noch einen Unterricht über den "Erlass Erzieherische Maßnahmen", welcher auch Prüfungsthema am Dienstag sein sollte. Als Abschluss des Abends gab es noch einen Unterricht zum Thema Alarmposten.
Tag 6
Am Samstag empfingen wir zuerst unsere Waffen sowie weiteres Material, um dann in den Verfügungsraum zu verlegen. Der Marsch dort hin war dann gleich für die Kameraden, die als Thema "Schützenreihe und Schützenrudel" hatten die Lehrprobe. Dort angekommen, bekamen wir kurz Gelegenheit die eigenen Stationen vorzubereiten. Leider war die Zeit viel kürzer als angekündigt. Dann führte jeder vor einer Gruppe von ca. acht Soldaten eine Erstausbildung zu seinem Thema durch, die am Ende ausführlich von dem Dienstgrad, der die Prüfung abgenommen hatte, beurteilt wurde. Zwischendurch wurde feldmäßig verpflegt. Nachdem wir alle mit unseren Ausbildungen fertig waren, haben wir noch eine kurze Lehrvorführung zum Bodenleuchtkörper bekommen und durften anschliessend jeder 1-2 mal Signalpistole schiessen. Danach ging es die 5km im Eilmarsch zurück, den wir in einer halben Stunde schafften. Danach waren alle ziemlch kaputt.
Tag 7
Sonntag Morgen bekamen wir alle unsere Startnummer für den Orientierungsmarsch und eine Karte, mit deren Hilfe wir eine Skizze zur ersten Station anfertigen sollten. Danach starteten immer 5 Mann im 10-Minuten Ryhtmus. Jeder hatte eine andere Route und so lief jeder alleine. Gegen Mittag waren die meisten wieder zurück. Der letzte kam allerdings erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Der Rest des Tages wurde genutzt, die beiden letzten Lehrproben abzuhalten, die am Samstag nicht geschafft wurden.
Tag 8
Nach dem Waffenempfang ging es raus zur Schießanlage. Dort wurden zuerst die Schießbahnen aufgebaut und dann schoss die eine Gruppe zuerst G36 und die andere MG3. Nach dem Mittagessen wurde gewechselt. Im Mittelpunkt stand allerdings nicht das Schiessen selber, sondern die Tätigkeiten als Aufsicht beim Schützen. Bevor es dunkel wurde, bauten wir die Schiessstände ab und verlegten ins Unterkunftsgebäude zum abschließenden Waffenreinigen.
Tag 9
Der Dienstagmorgen begann mit dem Test zum "Erlass Erzieherische Maßnahmen". Danach gab es reichlich Unterricht zum Thema Taktik. Nach dem Mittagessen stand eigentlich der PFT auf dem Dienstplan. Da wir aber ewig lange vor dem GeZi warten mussten, ehe alle einige Dokumente unterschrieben hatten, wurde daraus nichts und wir liefen nur ein paar Runden auf dem Sportplatz. Danach wurden, zur Vorbereitung der Waffenabgabe, alle Waffen nocheinmal gründlich gereinigt.
Tag 10
Den gesamten Vormittag verbrachten wir mit dem Taktik-Lehrer, wobei dieser einen recht großten Teil davon nutzte, uns die Lehrsammlung Infanterie zu zeigen, welche er auch betreut. Eine sehr interessante Sache. Ausserdem wurden die Waffen in der zentralen Waffenkammer abgegeben. Nach dem Mittag wurde jedem seine Beurteilung sowie das Zeugnis eröffnet und erläutert. Ausserdem besuchte uns jemand vom Personalamt, um uns über die ROA-Laufbahn zu informieren. Danach war dann Hörsaalabend im Offizierheim.
Tag 11
Der Donnerstag begann mit Materialabgabe bei der LHBw. Ausserdem zeigte uns der Hörsaalleiter einige Videos zu Geschichte und Politik. Danach wurden die nun endgültigen Zeugnisse unterschrieben. Nach dem Mittagessen hatten wir einen Termin beim Zahnarzt und danach beim Truppenarzt. Anschliessend wurden noch einge Unterlagen im Geschäftszimmer unterschrieben und abgegeben und danach hatte jeder Zeit, sein Material zu packen und die Stuben zur Abgabe vorzubereiten.
Tag 12
Nach dem Aufstehen ging es recht schnell: Bettwäsche tauschen, Stuben und Flur reinigen, Gepäck ins Auto, Abschlussantreten und kurz nach 9 Uhr war jeder auf dem Weg nach Hause. Und damit war der Lehrgang zuende.
Meine persönliches Fazit:
- teilweise etwas chaotische Organisation, an Routinesachen wie 90/5, Einkleidung, Formulare, Ausgabe der Ausweisse und co. wurde scheinbar gar nicht oder viel zu spät gedacht (dafür konnten die Ausbilder nix, die Inspektion schon eher; einer der Kameraden bekam am Tag 10 seine Einstellungsuntersuchung und am Tag 11 schon seine Entlassungsuntersuchung
- Die Unterrichte in Taktik, Recht und den erzieherischen Maßnahmen waren sehr gut, auch die restlichen Unterrichte waren gut gemacht, kein Unterricht war langweilig oder zu anspruchsvoll
- der Hörsaalleiter war einsame Spitze und durch die Tatsache, das er selbst ResOffz war, konnte man dahingehend einige gute Tipps bekommen
- das Teilnehmerfeld war sehr gemischt: vom Obergefreiten bis zum Feldwebel, vom 21jährigen bis zu Ü30, und auch die Berufe bzw. Studienfächer waren sehr unterschiedlich (wobei Berufe/Fächer in Richtung Politik/Geschichte stärker vertreten waren als der Rest)
- ein sehr schöner Lehrgang, der aber leider nicht optimal genutzt wurde (z.B. hätte man Recht stärker kürzen können und dafür Formaldienst/Führen einer Gruppe/eines Zuges einbauen können)




