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OPZ vom 05.10.08 - 07.10.08
Erfahrungsberichte
Ich hatte mich beworben für:

- Fliegerischer Dienst
- Aufklärungstruppe
- Marineoperationsdienst

mit dem Studiengang:

- Politikwissenschaft
- Staats- & Sozialwissenschaft
- BWL

Ich war für die Zeit von Sonntag den 05.10. bis Dienstag den 07.10. bei der OPZ in Köln zur Eignungsfeststellung zum OA eingeladen worden.

Klar, das klingt erstmal super. Denn, wie uns später in aktuellen Zahlen vorgetragen wurden, werden von (ca.) 9.500 Bewerbern 6.000 eingeladen, davon sind 4.000 als Offizier geeignet, ABER: Nur ca. 2.000 werden dann auch als OA eingestellt.

Aber zurück zur OPZ.
In Köln angekommen habe ich zunächst mal den Taxistand gesucht. Ich rate auch jeden dringenst sich mit dem Taxi zur Mudrakaserne bringen zu lassen. Das kostete bei mir 16€ (bei anderen 14-18€ ?) und ist einfach der entspannteste Weg.
Andere Bewerber hatten mir von großen Schwierigkeiten beim Zurechtfinden mit den Öffentlichen berichtet. Also war meine Idee, mit dem Taxi anzureisen goldrichtig.

An der Kaserne angekommen wird man vom Pförtner gleich mit militärischem Ton zu seinem Unterkunftsgebäude gewiesen. Dort sollte ich mich bei einer netten Dame in zivil in einen Warteraum setzen, wo noch ca. 7 andere Bewerber warteten.
Später bekamen wir unsere Zimmerschlüssel und konnten die Stube beziehen.
Da ich sehr früh dort war, kamen meine 3 anderen Stubenkameraden erst nach mir an und ich hatte noch etwas Zeit ein paar mitgebrachte Unterlagen zum Thema Auslandseinsätze zu studieren.

Nachdem dann ein 1er-Schüler aus Köln, ein Realschüler aus Berlin und ein Hauptgefreiter der Lw auf meiner Stube eingefunden und wir uns miteinander bekannt gemacht und ausgetauscht hatten, mussten wir uns alle wieder vor dem Gebäude treffen, wo mit mir noch 35 andere Bewerber warten mussten.
Darunter waren noch 8 Frauen, von denen eine Lw-Uffz (FA) war. Auch ein OFw der Feldjäger war anwesend und zählte zu den Bewerbern.

Die nette Dame vom Anfang verfiel plötzlich in einen ungewohnt militärischen Ton und machte uns auf die Hausordnung aufmerksam (keine Alkohol, keine Cameras und keine Handys in der OPZ).
Danach sollten wir das Hauptgebäude aufsuchen und uns dort alle in Raum 112 treffen, wo bereits ein Kapitänleutnant auf uns wartete.

Der KptLt hielt einen Einweisungsvortrag, indem er kurz auf den Inhalt der Prüfungen einging, sagte was wichtig ist und was nicht, was genau eine Prüfkommission macht und wies darauf hin, dass alle gleichberechtigt sind, egal ob OFw, Uffz (FA) oder Zivilist.
Danach sollten wir einen biographischen Fragebogen ausfüllen, indem u.a. abgefragt wurde ob man im zivilen Leben schon mal Führungsaufgaben übernommen hat, wo man eigene Stärken und Schwächen sieht und (ganz wichtig) warum man Offizier werden will.
Danach gab es eine kurze Pause, bis man wieder reingerufen wurde. Zur Verwunderung aller, waren wir bereits 1 Mann weniger. Der Realschüler war freiwillig ausgeschieden, aus Angst gegen die Konkurrenten mit (Fach-) Abitur nicht bestehen zu können. Nachvollziehen konnte das keiner.

Danach bekamen wir noch unsere Betreuungsoffiziere vorgestellt. Dies waren ein Oberleutnant vom Herr und von der Luftwaffe, sowie ein Oberleutnant zur See von der Marine. Diese haben sich jeweils kurz vorgestellt und ihre Bereitschaft gezeigt uns bei Fragen, die sich allerdings nicht auf genaue Prüfaufgaben beziehen, zu unterstützen.
Danach ist es schon Abend und man hat frei. Reist man am Sonntag an bekommt man kein Essen. Ich hatte Glück dass der 1er-Schüler aus Köln kam und unsere Stube, die ja jetzt einen Mann weniger hatte, in seinem BMW mit nach McDonalds nahm.
Um 21:00 haben wir uns schlafen gelegt, da...

...der Wecker am nächsten Morgen schon um 4:30 klingelte, denn der nächste Test war schon für 6:15 angesetzt.
Das hieß schnell duschen, frühstücken (welches es erst ab 5:45 gibt) und dann wieder in die OPZ.
Der Wortbeziehungstest stand an. Dafür wurden wir in die Gruppen A und B unterteilt, damit man nicht voneinander abschreiben kann. Jede Gruppe bekam zwei Wortpaare, von denen es eines zu analysieren galt; Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszustellen. Meine Auswahl bestand zwischen "Bericht & Roman" sowie "Neid & Eifersucht".
Die Zeit war auf 30min. begrenzt. Ich hatte mich für ersteres entschieden und hatte auch schnell 1,5 Seiten voll.

Auch hier ein Tipp: Nehmt euch einen linierten oder karierten Zettel als unterlage mit! Das hilft sauber und gerade zu schreiben.

Danach ging es in die individuelle Prüfungsphase. Jeder hatte am Vortag einen Laufzettel bekommen (den es unter keinen Umständen zu verlieren galt) und auf dem stand, wann man sich wo aufhalten sollte.
Ich musste, da ich mich als Flieger beworben hatte zum "FlugPsych VA" also zur Flugpsychologischen Vorauswahl. Wichtig hierbei: Merkfähigkeit und etwas Ahnung von physikalischen Gesetzen.
Direkt daran schloss der PMO, also der Charaktertest an. Hierbei wurde man Dinge zu seinen Gewohnheiten und Meinungen zu bestimmten Dingen gefragt (Alkohol und Drogenkonsum, Rassismus, ...).

Danach wurde ich zum GSV geschickt. Das Gruppensituationsverfahren (die Bundeswehr liebt Abkürzungen). Auf meinem Laufzettel stand: "Prüfkommission: 03". Das heißt, alle die in der Prüfkommission 03 sind, haben gleich zusammen mit mir das GSV. Im GSV waren wir 5 Leute, die Regel ist aber 4. Da einige nicht angetreten sind zur OPZ, musste umgeplant werden.
Wir warteten mit allen anderen in einem Warteraum und wurden dann von unseren Prüfkommissaren in einem Raum gerufen. Meine Prüfkommission bestand aus einem symphatisch wirkenden Hauptmann der Feldjäger und einer hübschen Psychologin. Andere hatten zB einen grimmig wirkenden Oberstleutnant und einen Oberleutnant, oder einen braungebrannten Hauptmann und einen männlichen Psychologen. Das weiß man vorher nicht.
GSV bedeuted sich in der Gruppe zu behaupten. Wir wurden zu fünft an einen Tisch im halbkreis angeordnet, so dass die beiden Prüfer alle sehen konnten. Nach kürzer Einweisung des Hauptmanns bekamen wir unsere Aufgabe, die sich grob in allen Prüfkommissionen glich.
Wir waren alle Leiter von Kindergruppen und plötzlich wurde in einer bestimmten Situation ein Problem festgestellt zu dem es 2 mögliche Lösungen gibt. Es galt dann in der Gruppe zu diskutieren, welche besser zur Lösung des Problems beiträgt. Hierfür bekam man 2min. Denkzeit + 12min. Diskussionszeit.

Danach ging es um Resourcenknappheit, das heißt uns wurde eine bestimmtes Gut, welches wir alle haben wollen (in unserem Fall eine Urlaubsreise) vorgestellt, auf das aber einer verzichten muss. Nun galt es zu diskutieren wer das denn sein möge. Hier spielen auch persönliche Interessen eine Rolle.
Das Dritte war dann der Eigenvortrag den es zu erbringen gab. Wir bekamen wieder ein Thema vorgesetzt, welches wir den anderen mit unserem Lösungvorschlag vorstellen sollten. Ich sollte zB als Leiter einer Anstalt ein Volleyballturnier für meine schwererziehbaren Kinder organisieren, allerdings waren die ortsansässigen Eltern in Angst um ihre eigenen Kinder, weil sie meine für zu gefährlich hielten. Man bekam 20min. Zeit sich etwas zu erarbeiten und dann max. 10min. zum Vortrag. Ich habe aber gefühlt nur 5 gebraucht. Andere mehr, andere weniger. Hier war es wichtige nicht nur abzulesen, zum Plenum zu schauen und deutlich zu sprechen. Inhaltlich sollte natürlich auch alles gut und nachvollziehbar sein.

Danach wurden wir entlassen. Eine Berwerberin musste noch draußen warten, da sie gleich im Anschluß ihr Interview hatte. Ich durfte erstmal zum Arzt. Die ärztliche Untersuchung gleicht der bei der Musterung. Man kann da nichts falsch machen.

Von der Medizinalöberrätin dann als tauglich eingestuft, wurde ich zum Mittagessen geschickt, wo ich auch alle anderen Bewerber traf. Weniger geworden waren wir jetzt auch wieder. Eine Bewerberin wurde nach Hause geschickt, weil sie irgendwann vor drei Jahren mal einen Kreuzbandriss hatte, die andere Bewerberin aus meiner Prüfkommission durfte nach dem Interview gehen, da die Prüfer sie als zu zurückhaltend im GSV und nicht selbstbewusst genug eingestuft hatten. Auch in anderen Gruppen waren schon welche entlassen worden, warum weiß ich leider nicht genau.

Nach dem Essen stand bei mir der Mathetest auf dem Programm. Und ich rate jedem, der etwas technisches oder wirtschaftliches studieren will: Lernt vorher alles was ihr in Klasse 12 & 13 hattet so gut wie in- und auswendig! Da kommen Aufgaben dran, die man sonst nur aus eine LK-Klausur kennt und dann kommt natürlich auch noch der Zeitdruck hinzu. Der Großteil der Bewerber war schwer beeindruckt von der Schwierigkeit und kam kaum bis gar nicht mit den Aufgaben zurecht. Uns wurde aber auch gesagt, dass dieser Test dazu gedacht die wirklich besten Mathematiker festzustellen und kann daher von kaum jemandem komplett gelöst werden (ausser von dem 1er-Schüler meiner Stube). Vielen Bewerbern hat dieser Test das Studium versaut bzw. sie haben hinterher keine gute Eignung für das Studium bekommen.

Nach dem Mathetest musst ich zum Interview. Da ich bei dem Mathetest hinterher nur Lotto gespielt (also geraten) habe, war ich recht schnell fertig und musste daher ganze 2,5 Stunden auf meine Interview warten (was ich vorher nicht wusste, da auf meinem Zettel nur "Mathetest -> danach -> Interview" stand.). Nachdem also nach und nach alle anderen Bewerber meiner Prüfkommission 03 vom Hauptmann aufgerufen wurden und ich während der Wartezeit fast vor Aufregung explodiert wäre, kam dann endlich das "Na, sie wollen dann bestimmt auch noch ran, oder?" vom Hauptmann.
Da war ich dann also. Ich wurde freundlich vom Hauptmann gefragt, ob ich mein Sakko ausziehen möchte, was ich dankend annahm. Ich wurde von ihm zusammen mit der hübschen Psychologin an einen runden Tisch gebeten.
"Ja, Herr *****. Die erste Frage können sie sich gleich selber stellen." - "Ja, sie möchten bestimmt von mir wissen, warum ich mich als Offizier beworben habe."
Er lächelte und nickte.
Ich hab dann also meinen Text nieder gerattert, den ich mir vorher recht lange überlegt hatte und schaute dabei immer wieder auf die beiden Prüfer. Beide Hände auf dem Tisch, übereinander gefaltet. Keine großen Bewegungen, ab und zu ein überlegender Blick aus dem Fenster und dann direkt zum Prüfer zurück. Er nickte ab und zu, machte sich Notizen, genauso wie die Psychologin, welche auch den Blick zwischen mir und ihrem Notizblock tauschte.
Dann kamen Fragen zur Bundeswehr im Allgemeinen, welche übrigens auch von allen Prüfern in den entsprechenden Interviews so gefragt wurden: "Wo ist denn die BW im Ausland?" "Warum sind wir denn in Afghanistan?" Zum Glück hatte ich mich intensiv mit den Auslandseinsätzen auseinander gesetzt, was ich auch jedem rate, da dies von jedem Bewerber abverlangt wurde. Ich konnte Truppenstärke, Nato-Codename wie "ISAF, EUFOR, UNIFIL, ..." aufsagen und auch erläutern warum wir wo sind.
Der Hauptmann nickte, sagte nur noch lächelnd "Ich sehe sie haben sich informiert" ging dann noch kurz auf meine Freizeitinteressen ein, warum ich was mache und wie lange und mit wem und gab dann das Gespräch an seine Psychologin ab.

Diese fing sofort an zu fragen, warum ich denn die Klasse 4 übersprungen, die Klassen 9 & 12 aber wiederholt habe. Da fiel es mir schon deutlich schwerer zu argumentieren, jedoch habe ich glaubhaft dargestellt, dass ich mir die einzelnen Fächer, an denen es gescheitert ist, einfacher vorgestellt habe. "Sind sie denn jemand, der dann sagt, es hat sowieso keinen Sinn mehr, oder lernen sie dann weiter?"
So in dem Stil verlief dann das Gespräch mit ihr. Während der Hauptmann mehr das Wissen über Bundeswehr und das Verhalten in der Truppe und als Vorgesetzter einging, waren es bei ihr mehr alltägliche Sachen und charakterliche Eigenschaften.
Als sie dann auch keine Fragen mehr hatte und ich nicht noch etwas hätte hinzufügen können, wurde ich vor die Tür gebeten und nach 5min. wieder reingeholt.

Ich hatte meine Offizierseignung! Alles war sehr gut verlaufen, das GSV und das Interview. Ich wurde als sehr kompetent, sehr lernbereit und auch selbstbewusst eingestuft.

Aber wer jetzt denkt, dass alles überstanden sei, der irrt sich. Denn nur 50% von denen, die ihre Offizierseignung bekommen, werden auch als Offizier eingestellt. Das passiert wie folgt:
Man wird sowohl bei der Einung zum Offizier, wie auch bei der Eignung zum Studenten bewertet, mit einer Punktzahl versehen, und auf eine Liste gepackt. Je weiter man eben auf diesen beiden Listen oben steht, desto höher ist die Chance, dass der Einplaner auch eine Stelle für jemanden hat.

Mein Pech war, dass ich für keinen einzigen Studiengang in Frage komme, da meine Noten mir eine zu geringe Punktzahl gegeben hatten für das Studium. Der Studienberater hat mich zwar auf die Warteliste von meinem Erstwunsch gepackt, aber da dort nur 38 von 350 Bewerbern genommen werden, sind meine Chancen sehr gering.
Mein Glück war, dass ich im GSV sowie in allen anderen Prüfung, inklusive Interview dermaßen überzeugt hatte, dass man mich unbedingt als Offizier haben wollte, wie ich vom Einplaner erfuhr. Er bot mir dann eine Stelle als Offizier ohne Studium an, die ich sofort annahm.

Ich bin jetzt erstmal fest für die Aufklärungstruppe verplant, sollte ich allerdings Phase II und III meiner Flugtest positiv abschließen, wird dies dann noch, falls ich es wünsche, in Heeresfliegertruppe umgeändert. Also warte ich nun auf die Tests hab aber schon was sicher und bin mega glücklich!

Mein Fazit der OPZ:

Das Wichtigste von allem ist die Vorbereitung! Denn nur wer sicher in einen Test geht, der schließt diesen auch positiv ab. Hätte ich mich nicht intensiv informiert wäre es nichts geworden, und das nicht erst 2 Wochen vorher!

Im GSV hingegen kommt es eben darauf an, dass man gut im Team arbeiten kann und auch etwas argumentativ ist, genauso wie im Interview. Meine Prüfer waren super-nett, haben mir zwar auch schwere Fragen gestellt, aber man weiß ja was die hören wollen.
Präsentiert euch als Teamplayer, zeigt das ihr Spaß an dieser Arbeit haben werdet und informiert euch vorher! Viele hatten auch Probleme bei einfachsten Fragen über aktuelle politische Geschehnisse.

Die Prüfer sind alle fair und keiner wird euch dort willkürlich oder weil ihr ihm nicht passt rausschmeissen. Das wird nur an den Testergebnissen und an eurer eigenen Präsentation gewertet.
Geschrieben von Flitschie am Mittwoch, 08.Oktober 2008


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