
Eines möchte ich im Vorfeld sagen: Geht da nur hin, wenn ihr euch wirklich sicher seid, dass ihr eine Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr einschlagen wollt und nicht einfach nur dort studieren wollt, weil man da sogar noch Geld fürs Studium bekommt. Hatte bei meinen Mitbewerbern doch den ein oder anderen dabei, dem es nur aufs Studium ankam und der sich nicht sicher war was er überhaupt machen will bei der Bundeswehr. Dazu sei gesagt, dass niemand von diesen Personen bestanden hat.
Wichtig ist auch dass ihr euch nicht zu sehr auf eine Richtung festlegt, denn die Tests sind dort verdammt hart und von unserer Bewerbergruppe hat niemand zu 100% das bekommen, was er vorher wollte. Manchen wurden noch ganz andere Bereiche aufgezeigt an die sie noch gar nicht gedacht hatten und sie dort viel besser reinpassen würden, aber den meisten wurde eben auch gesagt dass es mit dem was sie sich erhofften nichts wird sie aber in einem anderen Bereich unterkommen könnten.
Hier nun also mein Erfahrungsbericht von der OPZ vom 24.-26 August 2008:
1. Tag
Nachdem ich die Mudrakaserne problemlos gefunden hatte, war ich etwa gegen 12 Uhr dort. Dort angekommen bekommt man erst mal die Hausordnung ausgeteilt und muss sich diese und andere Regeln die auf 3 Tafeln aufgelistet sind gut durchlesen, bevor man dann seinen Stubenschlüssel ausgehändigt bekommt. Je nachdem wann man an der Kaserne ankommt hat man dann noch genug Zeit sich etwas zu erholen.
Um 15:55 Uhr wurden wir dann abgeholt und wurden in das OPZ Gebäude gebracht. Hier stellten sich erst unsere Beträungsoffiziere vor. In unserem Fall waren das ein Oberleutnant zur See, ein Oberleutnant vom Heer und ein Oberleutnant von der Luftwaffe. Diese Betreuungsoffiziere haben einfach die Aufgabe irgendwelche Fragen der Bewerber zu beantworten, was sie auch bereitwillig taten.
Danach hörten wir einen Vortrag von einem Oberstabsarzt, was uns in den nächsten Tagen in der OPZ alles erwartet. Dann bekamen wir unsere Laufzettel ausgeteilt, auf denen genau stand wann wir in den nächsten Tagen wo sein mussten. Als erste Aufgabe bekamen wir dann noch einen Persönlichkeitsfragebogen, welchen wir innerhalb der nächsten 30 Minuten ausfüllen sollten. In diesem Persönlichkeitsfragebogen musste man Fragen beantworten wie:
- Wo liegen Ihre Stärken/Schwächen
- Weshalb möchten Sie Offizier werden usw.
Anschließend bekamen wir noch einen Bogen, wie man ihn von den Bewerbungsunterlagen kennt, in den wir auf unseren Stuben unsere Noten der letzten Schuljahre und unsere Studienwünsche mit Begründung angeben sollten. Diesen Zettel sollten wir dann am nächsten Morgen wieder mitbringen.
Am Abend saß man dann im Lokal zusammen und konnte was essen und trinken und sich gegnseitig etwas besser kennen lernen. Hierbei konnte man dann auch zum ersten Mal die Chance nutzen die Betreuungsoffiziere zu befragen.
2. Tag
Am zweiten Tag hieß es dann Aufstehen gegen 4:30 damit man noch in Ruhe duschen konnte und ab zum Frühstück.
Nach dem Frühstück mussten wir dann zurück in die OPZ, wo wir zum ersten Mal auf unseren Personalberater trafen. Nach ein paar kurzen einleitenden Worten seinerseits ging es nun los mit dem Prüfungsmarathon.
Als erstes mussten wir einen Aufsatz schreiben. Dazu bekamen wir zwei Wortpaare und mussten uns für eines entscheiden.
Aufgabe dieses Aufsatzes war beide Worte zu definieren, sie voneinander abzugrenzen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten und schließlich eine zusammenfassung zu schreiben.
Sinn dieser Prüfung ist zu sehen, ob der Bewerber sicher ist in der Rechtschreibung und ob er sich ausdrücken kann. Außerdem kommt es natürlich auf den Inhalt an. Dieser Aufsatz wird später von dem Psychologen durchgelesen. Insgesamt hat man für den Aufsatz auch 30 Minuten Zeit.
Danch ging es so weiter, wie man auf seinem Laufzettel sehen konnte. In der Regel folgen nun Verwendungswunschspezifische Tests. Beispielsweise muss man, wer zur Luftwaffe möchte, den Fliegertest machen, oder wer zu den Sanitätern möchte, muss den Sanitätstest machen, eben je nach Verwendungswunsch.
Diese Tests sind bereits hoch anspruchsvoll und man muss sich gut konzentrieren. Ausgeführt wird dieser Test an solchen Computern wie man sie vom EUF-Test bereits kennt.
Danach gings dann zur ärztlichen Voruntersuchung wo man einen Hörtest und einen Sehtest machen muss. Außerdem wird man gemessen und gewogen und muss eine Urinprobe abgeben.
Nach dieser nicht so anspruchsvollen Voruntersuchung gehts nun knallhart weiter mit dem Gruppensituationsverfahren.
Hierbei wird man in der Regel mit drei seiner Mitbewerber in einen Raum gebracht wo man das erste Mal mit seinem Psychologen bzw. Psychologin und dem Offizier zusammentrifft die später im Interview die Fragen stellen.
Als erstes bekommt man eine Aufgabe, bei der man in der Gruppe zu einer Lösung kommen muss. In meinem Fall waren meine Mitbewerber und ich Leiter einer Wandergruppe mit 16 12-13 jähriger Kinder. Auf unserer Wanderung durch den Wald stellten wir fest, dass wir die Jugendherberge nicht vor Einbruch der Dunkelheit erreichen können, sich jedoch ein Hof in der Nähe befindet, wir allerdings nicht wissen ob dieser bewohnt ist und da es kein Handyempfang gibt, können wir auch nirgendwo anrufen. Allerdings sind die Eltern der Kinder zur Jugendherberge vorgefahren um Gepäck dorthin zu bringen.
Nun hatten wir für diese Aufgabe 12 Minuten Zeit um gemeinsam eine Lösung zu finden.
Als nächstes mussten wir uns in der Gruppe mit einer Resourcenknappheit auseinander setzen. Die Aufgabe war, dass wir vier in einem abgelegenen Dorf 50 km von zu Hause entfernt auf einer Party waren. Allerdings wussten wir nicht wie wir wieder nach Hause kommen sollten. Wir waren alle alkoholisiert und zudem war es schweinekalt und es regnete. Der DJ der Party bot seine Hilfe an, konnte jedoch nur drei von uns mitnehmen. Zu allem Überfluss waren auch noch alle Handyakkus leer, so dass wir niemanden anrufen konnten. Nun hatten wir wieder 12 Minuten Zeit uns zu einigen wer von uns denn nun da bleibt, oder wie wir dieses Problem lösen.
Als dritte und letzte Aufgabe des Gruppensituationsverfahrens bekam jeder von uns eine Aufgabe und hatte 25 Minuten Zeit daraus einen Vortrag vorzubereiten.
Meine Aufgabe war, dass ich Jugendvertreter eines Fußballvereins war in dem sehr großes Potenzial steckt. Allerdings stand der Verein kurz vor der Pleite. Glücklicherweise ließ sich ein Sponsor finden, der allerdings darauf besteht die Vereinsfarben zu ändern.
Nun musste ich mich entscheiden, ist es mir wichtiger den Verein möglichst schnell nach oben zu bringen und das Angebot des Sponsors anzunehmen, oder möchte ich lieber die Tradition wahren und es in Kauf nehmen dass der Verien möglicherweise Pleite geht.
Der Vortrag sollte eine maximale Dauer von zehn Minuten haben, wobei uns gesagt wurde dass die meisten zwischen vier und sieben Minuten liegen.
Bei dem Gruppensituationsverfahren kommt es auf folgende Dinge an:
- bei den ersten beiden Aufgaben möchten der Psychologe und der Offizier sehen wie man sich in der Gruppe verhält.
Wichtig hierbei ist dass man sich gut in die Gruppe einbringt und mit eigenen Ideen zur Lösung der Probleme beiträgt. Jedoch sollte man darauf achten, nicht mit aller Gewalt auf seiner Idee zu beharren sonder Kompromisse einzugehen. Auch sollte man stets freundlich gegenüber seinen Mitbewerbern sein und sich anhören was diese zu sagen haben.
Also sollte man hierbei nicht zu überheblich aber auch nicht zu zurückhaltend sein. Hab erlebt dass sie einen Heim geschickt haben, weil er den anderen immer ins Wort fiel und einen anderen haben sie Heim geschickt, weil er zu zurückhaltend war.
- bei der dritten Aufgabe kommt es vorallem auf Individualität an. Die wollen sehen wie man sich verhält wenn man vor einer Gruppe sprechen muss, über ein Thema das man vorher nicht kannte. Hierbei kommt es auch darauf an, was man sich für Argumente für seine Entscheidung einfallen lässt und wie man diese präsentiert.
Wenn man nun das Gruppensituationsverfahren hinter sich gebracht hat kann man in die Kantine gehen und dort mittagessen. Allerdings bleibt nicht so viel Zeit, da man um etwa 12.30 Uhr wieder zurück in der OPZ sein musste, um die nächsten Tests zu machen.
Nun stand der PMO-Test auf dem Laufzettel. Diesen Test muss wieder jeder machen und er wird auch wieder an den Computern durchgeführt. Der PMO-Test ist der Persönlichkeitstest bei dem man 116 Fragen gestellt bekommt die man möglichst spontan mit 1 (für gar nicht) bis 7 (für absolut) bewerten muss.
Bei diesem Test möchten die Prüfer herausfinden was für Gewohnheiten und welche Gesinnung man hat.
Es tauchen Fragen auf wie:
- Hatten sie schon oft einen Kater durch übermäßigen Alkoholkonsum
- Sind Sie der Meinung das ausländische Mitbürger die deutsche Kultur zerstören?
Als nächstes stand der Mathe-Test auf dem Plan den fast jeder machen musste, da Mathe in fast allen Studiengängen eine immer wichtigere Rolle spielt. Falls ihr jetzt aber denkt da würde nur was mit + und - drankommen muss ich euch leider enttäuschen. Es kam ausschließlich Stoff aus Klasse 11-13 dran, also wer da noch Probleme hat sollte sich das auf jeden Fall anschauen, weil dieser Test hat es echt in sich und hat einigen ihren eigentlichen Studienwunsch versaut.
Nun war es Zeit für den Höhepunkt des Tages! Das Interview stand auf dem Programm und man konnte die Anspannung im Warteraum deutlich spüren, denn jeder wusste, es könnte durchaus passieren, dass man danach seine Koffer packen muss und damit wäre der Traum von der Offizierslaufbahn ausgeträumt.
Nach langem Warten wurde man dann irgendwann abgeholt und in den Raum gebracht in dem man am Vormittag das Gruppensituationsverfahren durchgespielt hatte.
Zum Interview selber ist es sehr schwer etwas zu sagen, da viele Faktoren eine Rolle spielen. Man wird natürlich eine Menge zu seinem bisherigen Leben gefragt und eigentlich zu allem was man irgendwann mal in irgendeiner Form angegeben hat. Einfluss auf das Interview nehmen z.B. die Bewerbung, der PMO-Test, der Aufsatz, das Gruppensituationsverfahren und natürlich wie man sich in dem Gespräch präsentiert.
Das Gespräch wird abwechselnd geleitet von dem Offizier (in meinem Fall ein Major) und dem Psychologen bzw. der Psychologin. In meinem Fall hat der Offizier allgemeine Fragen zur Bundeswehr gestellt z.B was die Aufgaben eines Offiziers sind und in wie weit ich diese Voraussetzungen erfülle. Er stellt aber auch oft Fragen zu irgendwelchen aktuellen Themen z.B. den Kaukasuskonflikt, ein anderer Mitbewerber wurde nach den Gründen des EUFOR Einsatzes in Bosnien-Herzegowina gefragt und wieso es damals zum Krieg kam.
Wichtig für das Interview ist einfach dass man sich auf alles vorbereitet. Berichte zu den Auslandseinsätzen findet man auf der Bundeswehrseite im Internet. Und man sollte vorallem ehrlich sein und sich nicht irgenwo hineinverstricken aus dem man nicht mehr herauskommt, denn die Fragen sind sehr detailreich und Ungereimtheiten fallen da sehr schnell auf. Auch sehr wichtig ist das äußere Erscheinungsbild. Ich weiß nicht ob es Zufall ist, aber es sind 100% der Bewerber die nicht zumindest ein Sacko anhatten ausgeschieden. Natürlich sind auch Bewerber im Anzug ausgeschieden, aber da man sich auf eine Stelle im gehobenen Dienst bewirbt ist ein Anzug keinesfalls fehl am Platze.
Nach dem alle Fragen gestellt wurden wird man kurz gebeten das Zimmer zu Verlassen damit sich die beiden, die übrigens völlig gleichberechtigt sind, beraten können. Wenn man dann wieder hereingebeten wird bekommt man noch die Frage gestellt ob man sich im Verlauf des Gesprächs fair behandelt fühlte und man muss eine Selbsteinschätzung abgeben, ob man weiter ist oder nicht.
Wenn man dann das Ergebnis mitgeteilt bekam, hatte man noch die Chance - wenn man möchte - zu erfahren, wie es zu dieser Entscheidung kam.
Am Ende des Interviews weiß man dann also ob man überhaupt für die Offizierslaufbahn geeignet ist.
Nach dem Abendessen gegen 16 Uhr folgte dann in der OPZ noch ein Einplanungsvortrag für die Verbliebenen, welcher aber rein zur Information diente und keinen Einfluss auf weitere Tests hat.
Danach war der erste Testtag zu Ende und man ließ den Abend bei deutlich gelösterer Stimmung ausklingen.
Von den ursprünglich 25 Bewerbern hatten es noch 17 in den nächsten Tag geschafft.
3. Tag
Am dritten Tag hieß es dann gegen 5:30 aufstehen, da wir nicht so viel frühstücken sollten, weil der Sporttest noch auf dem Programm stand.
Vor diesem Sporttest hatte ich ehrlich gesagt im Vorfeld etwas Angst, da das mit dem Standweitsprung nicht immer so funktionierte wie ich mir das vorgestellt hatte. Jedoch stellte sich heraus dass der Sporttest absolut machbar war. Dieser Test wird in einer sehr kleinen Halle mit sehr schlechter Luft durchgeführt, wobei die ersten 4 Disziplinen nacheinander ohne große Verschnaufpause gemacht werden müssen.
Der Sporttest gliedert sich wie folgt:
- Pendellauf: Hierbei muss man eine Strecke von 4x9 m so schnell wie möglich zurück legen; es kommt also darauf an eine möglichst starke Beschleunigung zu erzielen mit schnellen Richtungswechseln. Hier sollte man auf jeden Fall rutschfeste Schuhe anziehen, da man sonst sehr schnell wegrutscht (kleiner Tip: vorher Haarspray auf die Unterseiten der Schuhe sprühen oder einfach bevor man die Halle betritt die Schuhe unten nass machen.)
Beim Pendellauf hat man 2 Versuche.
- Standweitsprung: Hierbei muss man aus dem Stand von einer Matte auf eine andere Springen und eine möglichst große Weite erziehlen.
Beim Standweitsprung hat man 3 Versuch wovon der Beste gewertet wird.
- Sit-up's: Hier muss man in 40 Sekunden so viele Sit-up's machen wie möglich. Dabei liegt man auf einer Matte und muss durchgehend die Hände hinter dem Nacken haben. Die Ellbogen müssen bei jeder Wiederholung über die Knie ragen.
Bei den Sit-up's bekommt man von einem anderen Mitbewerber Hilfestellung, indem dieser einem auf die Füße kniet und die Füße zusätzlich mit den Händen fixiert.
- Liegestütz: Hier hat man wieder 40 Sekunden Zeit und muss so viele Liegestütze machen wie möglich. Dabei liegt man auf dem Bauch und hat die Hände auf dem Rücken. Nach dem Hochdrücken muss eine Hand den anderen Unterarm berühren und man muss wieder in die Bauchlage zurück und die Hände müssen sich auf dem Rücken wieder berühren, erst dann hat man eine Wiederholung.
- 12-Minuten-Lauf: Nach einer kleinen Pause geht es nun darum in 12 Minuten eine möglichst weite Strecke zurückzulegen.
Nachdem man sich dann frisch gemacht hat und die Stuben geräumt hatte, mussten einige noch zur Hauptuntersuchung zum Arzt, diese unterscheidet sich aber nicht groß von der ärztlichen Untersuchung bei der Musterung.
Hat man das auch erfolgreich hinter sich gebracht, geht es zum Studienberater. Dieser sagt einem dann ob das gewünschte Studium möglich ist oder nicht.
Als letzte Station in diesem Marathon hat man dann noch ein Gespräch mit dem Einplaner. Dieser sagt einem was man persönlich bei der Bundeswehr alles machen kann. Wenn man dann die Verpflichtungserklärung unterschrieben hat, gibt er einem einen vorraussichtlichen Einstellungstermin bekannt und man hat die harten Prüfungen an der OPZ erfolgreich bestanden.
Schlussendlich haben von 25 Bewerbern 14 bestanden. Die drei, die am letzten Tag ausgeschieden sind, sind freiwillig gegangen, da sie nicht das machen konnten was sie wollten, deshalb sollte man etwas flexibel sein und sich auch mit etwas anderem zufrieden geben, was einem Spaß machen könnte. Das Wichtigste ist erstmal, dass man die Offizierseignung hat.




